…kundenservice im wandel der zeiten
Was waren das früher doch für Zeiten. Man hatte ein Problem mit einem erworbenen Artikel und hat ihn entweder zurück ins Ladenlokal geschleppt oder wahlweise eine Hotline angerufen. Und auch heute noch ist die erste Anlaufstelle die Hotline.
Eingelullt von hirnzermürbenden Fahrstuhlmelodien und der bestärkenden Ansage, dass der nächste Berater natürlich für mich reserviert ist und man sich um das Wohl seiner Kunden sorge, um mich danach für weitere 15 Minuten in die Warteschleife zu entsorgen, treiben jeden noch so servicewilligen Kunden langsam aber sicher in die Verzweifelung.
Wenn man dann doch tatsächlich mal einen Menschen zu sprechen bekommt und nicht nur einen Sprachcomputer, mit dem “sie genau so reden können wie mit einem Menschen” (“Ich möchte bitte mit einem Menschen sprechen” – “Ich habe sie leider nicht verstanden”, selbst erlebt an einer Hotline), erlebt man jedesmal aufs neue faszinierende und gleichzeitig erschreckende Abgründe der Servicewüste Deutschland.
An dieser Stelle noch ein Zitat? Kein Problem: “Wir produzieren jeden Tag so viele von diesen CD-ROMs, da würden wir doch merken, wenn eine kaputt ist” (auch selbst erlebt)… Wenn einem solche Aussagen mit überzeugendem Unterton präsentiert werden, zweifelt man doch langsam aber sicher an der umfassenden Vernunftbegabtheit der menschlichen Rasse und fragt sich, wie solch eine Spezies seit Jahrtausenden den Planeten in eisigem Klammergriff halten kann und nicht längst von vernünftigen Wesen wie zum Beispiel Nacktmullen verdrängt wurde. Die würden wohl auch Hotlineanrufe schadlos überstehen, da sie unfähig sind, Schmerzen zu empfinden.
Da fragt sich doch der medienbewanderte und moderne Mensch, ob es nicht sinnvollere Methoden des Kundenservices gibt. Und was soll ich sagen – ich habe sie für mich entdeckt.
Angefangen hat es letztes Jahr, als ich mein iPhone bestellt habe. Aufgrund der bekannten Lieferengpässe kurz nach dem Launch ist auch mein Telefon mit einer mehrwöchigen Verspätung geliefert worden. An sich natürlich kein Problem, schliesslich wachsen iPhones ja nicht an Bäumen. Dummerweise wurde der Vertrag aber schon direkt nach der Bestellung auf den neuen Tarif umgestellt, was ich wiederum weniger witzig fand, da er ja einige Features beinhaltete, die ich vertragsgemäß nur mit dem iPhone nutzen durfte und auch konnte. Die Anrufe bei der Hotline waren erwartungsgemäß unfruchtbar, also habe ich mich entschlossen, den Kundenservicetrichter einfach mal umzudrehen. Bei XING habe ich mir meinen Ansprechpartner gesucht – den “Vice President Costumer Care” von T-Mobile Deutschland. Oder so ähnlich, nagelt mich bitte nicht auf Anglizismen fest. Ich schrieb eine Mail, die nach 10 Minuten persönlich beantwortet wurde und am gleichen Abend in einem Anruf endete, bei dem mir neben der Gutschrift des kompletten ersten Monats (komplett mit Grundgebühr und allem) auch eine bevorzugte Belieferung zugesichert wurde. So wurde aus mir eine Firma und ich wurde bevorzugt behandelt.
Ähnliches habe ich auch bei der Reparatur meines MacBooks im vergangenen Jahr gemacht. Die hat sich nämlich extrem hingezogen und die Informationslage war im Großen und Ganzen auch – euphemistisch gesagt – undurchsichtig. Auch hier hat eine XING-Nachricht an den CEO für eine spontane Hilfsbereitschaft von ganz oben gesorgt.
Wie komme ich nun dazu, diesen Beitrag zu schreiben? Ich habe in dieser Woche nach der Installation der neuesten Safari-Beta auf meinem Rechner unerklärliche Probleme mit meinem DVB-T-Programm gehabt, das sich ohne Fehlermeldung einfach immer mal wieder beendet hat. Also habe ich mein Problem einfach per Twitter an den Hersteller gezwitschert und innerhalb weniger Stunden hatte ich einen Lösungsvorschlag. Und was soll ich sagen? Es funktioniert.
Also liebe Firmen…wenn ihr eure Kunden wirklich ernst nehmt – wir Kunden sind nämlich diejenigen die euren Umsatz generieren und nur ein glücklicher Kunde ist ein treuer Kunde (eigentlich nachvollziehbar, aber offenbar nicht bei jeden angekommen) – dann sorgt doch einfach mal für eine moderne und flexible Kundenservicestruktur.
Wir würden es euch danken.


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