…ordnung ist das halbe leben
Das kriegt das Kind ja schon seit Jahrmillionen von seinen Erzeugern und Erziehungsberechtigten eingeimpft. Ich würde wetten, dass es auch schon im ausklingenden Pleistozän hieß: Sieh zu, dass du deine Höhle aufräumst, sonst kannst du was erleben.
Und ich merke an mir selbst, dass diese jahrelange Sozialisation an mir weitgehend abgeperlt ist. Zumindestens was mein analoges Leben angeht. Einmal im halben Jahr – grob geschätzt – raffe ich mich auf, um Rechnungen, Briefe meiner Bank, Kontoauszüge und was sonst noch so anfällt mal aufzumachen und eventuell einer würdevollen Endlagerung zuzuführen. Wahlweise im Aktenordner oder im Papierkorb. Umso erstaunlicher eigentlich, dass ich mich jemals zu der Anschaffung von Aktenordnern – wir sprechen hier tatsächlich von einem Plural – habe hinreissen lassen.
Aber das ist irgendwie ein Tick von mir. Ich kann aus keiner Kaufhausabteilung für Bürobedarf gehen, ohne nicht wenigstens einen Kugelschreiber oder einen Notizblock gekauft zu haben. Da kommt dann doch was zusammen.
Umso überraschender ist es eigentlich, dass ich im digitalen Leben relativ peinliche Ordnung halte. Ich nenne ausgefeilte Ordnerstrukturen, Backuppläne und ein ganzes Arrangement an automatisch ablaufenden Filterregeln für mein Mailprogramm mein Eigen. Auch die Verwaltung von mehreren Kalendern mit iCal fällt mir alles andere als schwer.
Ich frage mich tatsächlich, woran das liegen mag. Und wenn ich den wachsenden Stapel Zeitschriften hinter mir so begutachte, stelle ich fest, dass das halbe Jahr sich offenbar seinem Ende zuneigt.
Scheint also, als wenn die Zeit nach den Klausuren sich immer weiter mit unglaublich sinnvollen Tätigkeiten anfüllt.

Recent Comments